Mittwoch, 8. März 2017

Stadt leben.

Das Leben ist, als würdest du durch eine Stadt gehen. Die Schritte, die du machst, sind immer gleich groß. Doch manchmal bleibst du an einer Ampel stehen, trittst von einem Fuß auf den anderen, wippst vor und zurück, schaust mal nach links, mal nach rechts, und wartest darauf, dass die Autos stehen bleiben, oder du aus dem Augenwinkel siehst, wie das Licht auf Grün springt. Vielleicht entscheidest du auch, die andere Ampel zu nehmen, wenn die vorher grün wird und einfach die Straßenseite zu wechseln.

Du bewegst dich immer noch in die Richtung, in die du ursprünglich wolltest, auch wenn du die Straßenseite gewechselt hast, auch wenn du nach links und nach rechts und eigentlich niemals nach vorne gesehen hast. Trotzdem weißt du, wohin du willst, und du gehst weiter in dieselbe Richtung, in die du von Anfang an wolltest.

Selbst wenn du kurz nicht weißt, ob du hier wirklich richtig bist, weil du zu verplant warst, um zu merken, dass du in die falsche Seitengasse eingebogen bist. Oder weil du dachtest, eine Abkürzung zu nehmen und in Wahrheit hast du einen Umweg gemacht. Aber irgendwann merkst du das und du drehst um, gehst vielleicht zurück an den Punkt, an dem du dich noch auskanntest und siehst dir an, wo du eigentlich hättest hinmüssen. Oder auch nicht, und du gehst weiter, und fragst unterwegs jemanden nach dem Weg. Wahrscheinlich wird dieser jemand das verwirrend finden, wo doch heutzutage Smartphones die Lösung für alles parat haben, aber jemand wird sich an die Stirn greifen und nach kurzem Überlegen in eine Richtung zeigen.

Und du wirst in diese Richtung gehen.

Es kann sein, dass es die falsche war, und du weiter herum irrst. Es kann aber auch sein, dass es die richtige war und du dich schon bald wieder auskennst, weißt, wo du hin musst.
Das Leben ist, als würdest du zu Fuß durch eine Stadt gehen. Es gibt Plätze, an denen ist es furchtbar laut und dort sind viel zu viele Menschen. Aber die Stadt hat auch Plätze, an denen es ruhig ist, wo kaum jemand zu sehen ist. Und an manchen Tagen brauchst du Lärm und an anderen nur den Wind in den Blättern über dir.

Oft ist das Leben mühsam, anstrengend, man muss arbeiten, um voranzukommen, einen Fuß vor den anderen setzen, geduldig sein, wenn die Ampel auf Rot steht und Umwege in Kauf nehmen, etwas riskieren, wenn sich eine Abkürzung ergibt, und um Hilfe bitten, wenn man alleine nicht mehr weiter kommt. Oft muss man sich in Menschenmassen stürzen und Teil davon sein, damit man auch mal andere Sichtweisen kennenlernt und manchmal muss man sich dafür unter einen Baum setzen und die Augen schließen.

Oft ist das Leben eine Herausforderung. Aber das ist gut so, denn nur so kann man über sich hinauswachsen. Erst wenn du falsch abbiegst, merkst du, wo du richtig warst. Erst wenn du von gestressten Personen angerempelt wirst, erkennst du, wie gestresst du selbst bist. Erst, wenn du den Bus verpasst und zu spät kommst, weißt du, ob die Chance das Risiko wert ist. Erst wenn du einen Schritt zurück springst, damit dich die Straßenbahn, die du aus Unachtsamkeit übersehen hast, nicht überfährt, schaust du nach rechts und links, bevor du dich wieder aufs Ziel konzentrierst.

Manchmal im Leben machst du kleine Schritte, weil du an einer Ampel stehst und das Vor und Zurück, das Hin und Her nur Zeitvertreib sind. Aber irgendwann schaltet jede Ampel auf Grün. Und wenn die Ampel ausfällt, dann schau nach links und rechts, warte ab, bis die Autos stehen bleiben und riskiere es. Geh einfach.

Kommentare:

  1. Always a pleasure reading you, even though I had google translator to help. The way you described life using the metaphor of walking in the city is really eye-opening, do write more :)

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    1. Hey, thank you so much for your positive feedback! You can read my blog in English, too, just follow the button 'English' on top. Have a nice day, Casey

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